postmodular        

Verbraucherpolitische Interventionen

Verbraucherpolitische Interventionen

Waren klassische Wirtschaftsstile geprägt durch Gegensätze von ‘Arbeit und Freizeit’, ‘Produzent und Konsument’, ‘Fachmann vs. Amateur’ so überwinden wir diese Differenzen potentiell durch neue Konzepte wie ‘Vertrauensarbeitszeit’, ‘Prosumership’, ‘Citicen Science’ oder neue Intermediäre (Suchmaschinen, Portale, Auktionen, virtuelle Communities u.a.). Das Gelingen neuer Wirtschaftsstile (s.u.) hängt dabei vom Konsumentenverhalten ab. Dieses wird im wesentlichen bestimmt durch Nachfrage (notwendige bzw. erwünschte Bedürfnisse), Angebot (Markt) sowie implizite und explizite Verhaltenstreiber wie Demografika (Alter, soziale Bildung) Psychografika (soziale Orientierung) und Soziografika (Werte). Das Design eines individuellen sowie kollektiv verantwortlichen Konsumentenverhaltens wird zu einer neuen Gestaltungsaufgabe. Wenn die Gesellschaft ‘Konsum als eine Kulturtechnik’ (Wolfgang Ulrich) behandelt, werden die Werkzeuge wichtiger, mit denen wir Anreize setzen und diese hinsichtlich ihrer verhaltensleitenden Effekte untersuchen. Der Beitrag der Behavioral Economics für die Verbraucherpolitik liegt in der Feststellung des Konsumentenverhaltens mittels experimenteller, messender Verfahren. Interessant sind hier verbesserte Einsichten in individuelle und kollektive Verhaltenstendenzen, das Design der Entscheidungsregeln oder ‘kognitive Irrtümer’. Der Beitrag des Designs liegt darin, festzustellen, wie Konsum, verstanden als verbraucherpolitische Intervention, künftig inszeniert werden muss.

Wird damit nachhaltiges Konsumerhalten zur normierenden und entmündigenden Zwangsvorstellung moderner Gesellschaften? Entsteht hier der Zwang zu einem auf Nachhaltigkeit getrimmten ‘Konsumkonformismus’ (Ivan Illich)? 

Über den Begriff ‘Wirtschaftsstil’, siehe: Bertram Schefold: Wirtschaftsstile, 2 Bände (Band 1: Studien zum Verhältnis von Ökonomie und Kultur, Band 2: Studien zur ökonomischen Theorie und zur Zukunft der Technik), Fischer Taschenbuch Verlag Frankfurt am Main 1994/1995.
Siehe auch: ‘Geldkulturen‘, mit einem Beitrag von Bertram Schefold

Text zum Kaufhaus der Vernunft

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinFacebooktwittergoogle_pluslinkedin
Citizen ScienceDesigneconomicsDigitale HandlungsräumeZivilgesellschaft

Gerhard M. Buurman • 1. Mai 2015


Previous Post

Next Post

Schreibe einen Kommentar