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Das Kapitalismustribunal

Eine empfehlenswerte Lektüre zu der Frage, wie sich unsere Demokratie weiterentwickeln kann. Im Vorwort dieses höchst spannenden Buches (das ich als Bedienungsanleitung lese) geht es um nichts weniger als die Frage, wie wir als Gesellschaft an den “Unabänderlichkeiten” der Zeit vorbeikommen und neue Wege gehen können. Die Konstruktionsfehler unserer Verfasstheit werden hier auf die Anklagebank gesetzt. Die Gesellschaft übt ihr Rechts aus.

Nachfolgend ein paar Erläuterungen von Peter Engelmann (Herausgeber, Passagenverlag): “Für viele war es schwer zu verkraften. Die Haltbarkeit der gewohnten Ordnungsvorstellung lief ab. Technologischer Fortschritt, gesichertes Wissen der Klimatologie und der Begriff von der Fairness waren immer weniger in Zusammenhang mit der ökonomischen Praxis zu bringen. Während staatliche Politik und große Medienbetriebe eine Erfolgsmeldung nach der anderen veröffentlichten, wurden nach innen und außen neue Grenzen errichtet. Der Verknappung von Sinn wurde ein Karriere- und Wellness-Kultus gegenübergestellt. Die Arbeit sollte geliebt werden, führte aber nicht mehr zur Verbesserung des persönlichen, gesellschaftlichen und geistigen Lebens. Beziehungen wurden wieder nach Aufstiegschancen eingegangen. Neue Mitmenschen wurden als Servicekräfte betrachtet, abgewiesen oder bekämpft, wo immer sie sich aufhielten.

Alles in allem war es seit langer, langer Zeit nicht mehr so schlecht um die Sache der Menschheit bestellt.

Demgegenüber machten sich ganze Kohorten der jüngeren Generationen auf den Rückzug ins Private. Sie schlossen sich zunehmend den angebotenen Frontlinien von Innerlichkeit, effektlosem Mitgefühl, Charity, Identitätsfragen in allen Details bishin zu offenem Terror an. Neue Ressourcenkriege und alte Feindbilder standen an zerteilten Horizonten. Der Zivilisation und den Menschen war schlichtweg die Zukunft abhanden gekommen. Welches Maß an struktureller Hybris kann eine Gesellschaft aushalten? Wie lange? Würde es gelingen, am unausweichlichen Ende eines ökonomischen Paradigmas einen friedlichen Wechsel zu vollenden? Kann die über Jahrzehnte verlorene Zukunft in eine neue Gegenwart geholt werden?

Faßmann, A., Lenz, A., Sodenkamp, H. & Haus Bartleby (Hgg.) (2016).  Das Kapitalismustribunal, Zur Revolution der ökonomischen Rechte (Das rote Buch). Wien: Passagen Verlag.

Link: Haus Bartleby, Wien

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Gerhard M. Buurman • 8. September 2016


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