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Die Risiko-Semantik

Niklas Luhman beschrieb in seinem Regenschirm-Beispiel die Funktionsweise von Risiken:

Wenn es Regenschirme gibt, kann man nicht mehr risikofrei leben: Die Gefahr, dass man durch Regen nass wird, wird zum Risiko, das man eingeht, wenn man den Regenschirm nicht mitnimmt. Aber wenn man ihn mitnimmt, läuft man das Risiko, ihn irgendwo liegenzulassen.

Die Ausdifferenzierung sog. kundenorientierter Finanzwerkzeuge wird dazu führen, dass wir dorthin zurückkehren, woher wir kommen – in eine Hochrisikozone, in der wir die Verantwortung für unsere finanzielle Sicherheit selber zu übernehmen haben. Der schleichende Prozess der neuerlichen Verantwortungsübertragung kann überall dort beobachtet werden, wo ‘kundenorientierte’ Werkzeuge definiert und propagiert werden. Die Risiko-Semantik jeder Finanzintermediation findet dabei wenig Beachtung. Um es mit Luhmann zu sagen: Je mehr ‘Regenschirme’ wir bauen, desto weniger sicher werden wir uns fühlen. Dies ist das Paradox, über das auch die Designdisziplin nachdenken sollte.

Luhmann, N. (1993). Die Moral des Risikos und das Risiko der Moral, in: Gotthard Bechmann (Hrsg.): Risiko und Gesellschaft – Grundlagen und Ergebnisse interdisziplinärer Risikoforschung, Opladen, 1993.

© Titelbild (link)

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Gerhard M. Buurman • 9. Oktober 2012


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