postmodular        

Eigenlogik des Designs
4

‘Eigenlogik des Designs’

Als Leiter des Institutes für Designforschung war ich mir trotz jahrelanger Praxis nicht sicher, wie wir die Forschung im Design „richtig“ organisieren könnten. Mein produktives Misstrauen gegenüber den üblichen Forschungsansätzen im Design gründete auf der Annahme, daß sich bestimmte Aussagen innerhalb unseres Systems mit den Regeln des selben Systems nicht erklären lassen und wir fortlaufend Verfahren einüben, die vor allem diese Verfahren selbst bestätigen. Die Berufung auf ein so oder so beschaffenes, methodisch geleitetes Vorgehen dient unserer Disziplin als argumentative Figur, die den Entstehungsprozess des Artefaktes, das Artefakt selbst sowie dessen Effekte als kalkuliertes Ergebnis einer Planung erscheinen lassen soll (ökon. Erfolg, Affordance, Haltbarkeit, Nützlichkeit u.a.). Mit dem Gebrauch privilegierter (proprietärer) Methoden konsolidieren sich schließlich spezifische Rationalitäten – innerhalb der Disziplin aber auch gegenüber unserer Umwelt (in Gesellschaft, Wissenschaft, Ökonomie, Ökologie u.a.). Damit wird das Design Teil eines Kalküls, der vielfältige Interessen in Einklang bringt.

Unser Ziel bestand nun darin, diese Annahme zu überprüfen und bestimmende Aussagen über das Vorgehen – hinter oder neben – den Methoden zu finden. Dafür wurden acht exemplarische Projekte der Forschungsschwerpunkte des Departement Design untersucht und dokumentiert. Um das in Tiefeninterviews gewonnene Material zu beforschen mussten wir nun auch methodisch vorgehen. Hier vier Beispiele, wie sich die Ergebnisse des Forschungsprojektes lesen lassen:

  • Die je 2-stündigen Tiefeninterviews wurden transskribiert und mittels Softwareunterstützung sequenziert (GEPHI). Im Anschluss daran haben wir die Transskripte codiert (Codes waren u.a.: Ort, Person, Institution, Handlungsverben, Befehl u.a.). Nun konnten die Texte (bzw. Textelemente) frei untersucht werden (gesucht waren u.a. Akteursnetzwerke, Orte der Erkenntnisproduktion, Begrifflichkeiten, Rhetorik, Interaktionsrituale in der System-Umwelt(en)-Beziehung, Rolle der institutionellen Umwelt u.a.).
  • Im Kapitel ‚Eine Netzwerkanalyse‘ (S. 186) habe ich den Verlauf eines von mir geleiteten Projektes (SDFB) nachskizziert und nach Vorbild der ANT (Akteur-Netzwerk-Theorie) eine soziologisch orientierte Analyse eines gescheiterten Designvorhabens durchgeführt.
  • In unseren Analysen der Texte konnten wir unmittelbar nachvollziehen, wie weit sich das konkret geschilderte Vorgehen der Kolleginnen und Kollegen von jenen Vorgehensweisen (Methoden) unterschied, die in denselben Texten als verbindlich vorgestellt wurden.
  • Die Aufbereitung des Materials in den verschiedenen Medien (Netz, Buch, Raum) hiess, das Design von Design zu denken und zu planen. Wir haben dabei beobachten können, in welch teilweise verfälschender Weise das Design mit dem Ursprungsmaterial umgehen muss, um eine Aussage im Sinne unserer Disziplin zu leisten.

Fotos: Nina Bandi, Alice Schwab

Wesentlich für uns waren die neuen Möglichkeiten, einen jeweils anderen Blick auf unser eigenes Material zu richten. Diese Erfahrungen wurden im Anschluss an das Projekt mit den Studierenden diskutiert. Die Ergebnisse des 2-jährigen Designforschungsprojektes wurden darüber hinaus im Rahmen eines international besetzten 2-tägigen Symposiums vorgestellt und diskutiert. Bei Niggli erschien 2016 die gleichnamige Publikation.

Kapitel ‘Netzwerkanalyse’
Gerhard M. Buurman, Marc Rölli (Hrsg.): Eigenlogik des Designs. Niggli, Zürich 2016, ISBN 9783721209310 OCLC Number: 894691829
Gerhard M. Buurman, Marc Roelli (Eds.): The Intrinsic Logic of Design. Niggli, Zurich 2016. ISBN 978-3-7212-0933-4 OCLC Number: 46858728

Facebooktwittergoogle_pluslinkedinFacebooktwittergoogle_pluslinkedin
DesignmethodikDesigntheorieZHdK

Gerhard M. Buurman • 5. April 2015


Previous Post

Next Post