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Das Evangelium der Innovation: Damit rechnen wir nicht!

Wir leben in einer berechnenden Kultur (Heinz von Foerster), die das Evangelium der Innovation anbetet, ohne jedoch die damit verbundenen negativen Externalitäten zu kalkulieren. Joseph Schumpeter schreibt dazu in »Capitalism, Socialism and Democracy« sinngemäß: “Wir haben es hier mit einem Prozess zu tun, der Zeit benötigt, um seine Eigenschaften und endgültigen Effekte zu enthüllen. Es macht daher keinen Sinn, die Leistung dieses Prozesses ex visu zu beurteilen; vielmehr müssen wir die Leistungen über Jahrzehnte oder Jahrhunderte hinweg Zeit beurteilen.” (eigene Übers.) Die apostrophierten positiven Effekte jeglicher zerstörerischer Innovation werden hinlänglich kommuniziert. Ob diese Auslassung der Ökonomenzunft aus Berechnung erfolgt, diese Frage lassen wir an dieser Stelle offen. Was wir ganz sicher aus dem Blick verlieren ist die Frage, wie wir die negativen Effekte für Natur, Mensch und Gesellschaft rational darstellen können. Ist jede Innovation eine Verbesserung unserer Situation?  Das gibt auch unserer Disziplin zu denken. Müssen wir uns nicht sehr viel genauer überlegen, wohin wir unsere Phantasie lenken? Haben wir hierfür die richtigen Instrumente und Methoden? Können wir absehen, was unsere Ideen auslösen? Kann es sein, daß wir zu unserem eigenen Schaden beitragen?
Hierzu gibt es ein interessantes Papier von John Komlos vom National Bureau of Economic Research.

We adore the gospel of innovation

We live in a calculating culture (Heinz von Foerster) that adores the »Gospel of innovation« without, however, calculating the negative externalities associated with it. Joseph Schumpeter wrotes in Capitalism, Socialism and Democracy: »First, since we are dealing with a process whose every element takes considerable time in revealing its true features and ultimate effects, there is no point in appraising the performance of that process ex visu of a given point of time; we must judge its performance over time, as it unfolds through decades or centuries.” (Schumpeter, J. (1994). Capitalism, Socialism and Democracy. London: Routledge.)
The apostrophized positive effects of any destructive innovation are sufficiently communicated. Whether this omission of the economists takes place out of calculation, we leave this question open at this point. What we are certainly losing sight of is the question of how we can rationally present the negative effects for nature, people and society. Is every innovation an improvement of our situation? There is also our discipline to think about. Don’t we have to think much more carefully about where we are directing our imagination? Do we have the right tools and methods? Can we see what our ideas will trigger? Can it be that we contribute to our own harm?
There is an interesting paper on this by John Komlos of the National Bureau of Economic Research.

Komlos John, 2016. “Has Creative Destruction become more Destructive?,” The B.E. Journal of Economic Analysis & Policy, De Gruyter, vol. 16(4), pages 1-12, October.

Bild: Invertierter Ausschnitt aus Wilhelm von Kaulbach, Zerstörung Jerusalems durch Titus

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Gerhard M. Buurman • 10. Mai 2018


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