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Schachspiel

Das Schachspiel entstand während meiner Ausbildungszeit. Von den Urmodellen der Figuren habe ich Gussmodelle angefertigt und in Kleinserie abgeformt. Auf Wunsch und Anregung des Chefredakteurs der FORM Karl Heinz Krug wird das Spiel 1989 in Heft 126 veröffentlicht. Es eröffnete einen Beitrag über Schachspielentwürfe verschiedener Designhochschulen. Für die Publikation schrieb ich die folgende (sehr schwärmerisch geratene) ‘Betriebsanleitung’.

Der Anlaß, dieses Schachspiel zu entwerfen, lag weniger in meiner
intensiven Leidenschaft zu diesem wohl königlichsten aller Spiele.
Vielmehr bestand der Reiz darin, eine Harmonie zwischen der inneren
und äußeren Charakteristik aller Figuren zu entwerfen.
Formreduktion, Abmessungen, Dimensionierung, stets im Hinblick auf
die Spielcharaktere, wo sich in der äußeren Form Schlagrichtung,
Schlagkraft und der Bewegungsspielraum definieren.
Auch das Gewicht geriet mir zu einem wesentlichen Gestaltungsanspruch.
Regeln verleihen den Steinen ihr Gewicht: Dieses möchte ich
beim Spielen im wahrsten Sinne erfassen können.
Die Figuren, die ich als Steine bezeichne, sind kalt, abweisend, bolide schwer.
Ein Kampfstein zum Beispiel sollte bei meinem Entwurf weniger graziöse
Details zeigen als vielmehr formale, defensive Ruhe.
Der Turm als strategischer Eckpfeiler grenzt ab und schafft
in jeder Stellung optischen Bezug zum Grundmuster.
Just das Pferd, als solches vielleicht am ehesten zu erkennen,
verlockt zum Streit im Feld.
Eine weitere Dimension der Gestaltung ist die reine Ästhetik, der Anspruch
einer bloßen Gefallsucht. Der Bezug zum eitlen Ritter …
Das Mittelalter und noch frühere Dokumente überliefern uns eine längst
vergangene, heute seltsam anmutende Schönheit und ästhetische
Wohlordnung kämpferischer Auseinandersetzungen. Selbst dem
Definitiven, dem Exitus in belli wohnt eine wohlfremde Asthetik inne,
als Kraft für Neues oder aber eine nicht endliche Ruhe.
So ist das Schachspiel wohl eine Dekoration geworden, ganz im positiven
Sinne – eine fixierte und friedliche Szene.

Schach in Form – Schachinterpretationen: Das königliche Spiel figurativ neu besetzt

Foto: Jürgen Jeibmann

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Gerhard M. Buurman • 3. September 1984


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