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© Gerhard M. Buurman

Sind wir jetzt endlich glücklich?

Lassen Sie uns über das Glück sprechen.
Was passiert, beanspruchen wir Glück, als Teil einer kalkulierbaren Lebenszufriedenheit und konfrontieren damit unser ökonomisches System? Zunächst einmal wird die Ökonomie (als soziales System gedacht) irritiert sein. Da Glück nun einmal keine ökonomische Kategorie ist, kann es mit dieser Forderung nichts anfangen, es kann die Anfragen des psychischen Systems (also uns, als seine Umwelt) nicht interpretieren. Folglich ist das System irritiert und löst eine ja/nein Entscheidung aus.
Aber wir lassen nicht locker und stellen diese Frage immer wieder. Es beginnt der Versuch des psychischen Systems, dem sozialen System beizubringen, wie wichtig dieser Anspruch auf Glück ist. Bei der Vermittlung zwischen dem ökononomischen System und seiner Umwelt spielt das Medium der Sprache eine herausragende Rolle. Sprache und andere Symbolsysteme haben nun die Aufgabe, das soziale System (Ökonomie) und das psychische System (Glückssucher) strukturell zu koppeln. Je besser das gelingt, umso mehr wird das soziale System diese Versuche als Durchgriffskausalität bewerten. Anfänglich und als Effekt dieser hartnäckigen Beeinflussung wird das soziale System einen Teil seiner Autonomie einbüssen. Dann werden sich Ökonomie und Umwelt wechselseitig koordinieren und am Ende dieses Prozesses bilden sich Angebot und Nachfrage (Glücksmärkte) und es entstehen Preise – die Preise für das lang ersehnte Glück.
Eigentlich wollten wir ja etwas ganz anderes erreichen. Wir wollten weg von einem alles dominierenden ökonomischen Denken, wir suchten eine Alternative, die all das zum Ausdruck bringen kann, was die Ökonomie nicht kann. Wir haben einen Ausdruckswert gesucht und haben einen Markt bekommen, der uns fortan mit kostenpflichtigen Glücksprodukten und -diensten überschwemmt.
Glücklich wären wir geblieben, hätten wir diesen Wunsch für uns behalten.

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Gerhard M. Buurman • 10. Juli 2017


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